Zum Bauernkriegsspektakel nach Mühlhausen in Thüringen mit meinem Kerzenzieherstand


Anfahrt

Seit über einer Woche regnet es täglich, auch jetzt noch den Montag danach. Regen und Sturm bestimmen mein Handeln und meine Gedanken, während des gesamten Wochenendes. So wie ich meine 4 Grundpfeiler und das Dach in Mühlhausen aufgebaut hatte fing es wieder ganz ordentlich zu regnen an. So rettete ich die wichtigsten Sachen, die noch draußen lagen unters Dach, ins Auto und in den Anhänger. Nein, der Regen hörte an diesem Tag und in dieser Nacht nicht mehr auf. So setzte ich mich also ins Auto und wartete ab. So gegen 22.00 Uhr rappelte ich mich noch einmal auf und ging in die historische Innenstadt.


Altstadt Mühlhausen

Selbst bei diesem Regen musste ich feststellen, das es eine wirklich außergewöhnlich schöne, alte Stadt ist. Wenn es so etwas wie eine klassisch, schöne, mittelalterliche deutsche Stadt gibt, dann muss es wohl Mühlhausen in Thüringen sein. Und obwohl ich wußte, das Mühlhausen so eine Stadt ist, war ich tief beeindruckt. Und als ich um die Ecke bog und die riesige angestrahlte Marienkirche vor mir sah, wusste ich das ich nicht zum letzten Mal hier war, sondern unbedingt noch einmal mit Ulrike hier her wollte, zum Beispiel während unsreres Fahrradurlaubes im September als Zwischenstation. Jetzt weiß ich Ulrike will es auch. So hatte ich irgendwann genug, nachdem ich durch mehrere Fenster in Lokale, Kneipen und Bars gesehen hatte, die mir doch nicht mehr zusagten an diesem Abend. So nahm ich in meinem Auto, noch einen kleinen Absacker, das noch immer auf dem Platz, hier an meinem angefangenen aufgebautem Kerzenzieher stand, auf dem Platz vor der Stadtmauer an dem Frauentor.


Vor dem Frauentor in Mühlhausen

Vor dem Frauentor in Mühlhausen

Regen beim Aufbau

Regen zum Aufbau

Regenpause

Regenpause unter´m Stand

Sonnabend-Morgen

Am Morgen war schönes Wetter, ich freute mich und baute ohne etwas zu frühstücken meinen Kerzenzieherstand schön auf. Einen vorbeilaufenden Einheimischen im gestandenen Mannesalter befragte ich nach einem Bäcker, der mir zur Antwort gab: gleich hier in der Herrenstraße ist noch ein richtiger traditioneller Bäcker. Ein richtiger Bäcker. Er hatte recht und ich war sehr zufrieden dort.


Sonnabend

Der Tag verlief den Umständen entsprechend gut. Mit meinen Nachbarn war ich sehr zufrieden und mit meinen Gästen, die ruhig ein paar mehr sein könnten auch. Es regnette zwar nicht, aber den ganzen Tag war es stark bewölkt. Wind kam auf. Es war sehr zeitig Feierabend. Was nun? Um noch auszugehen war es zu spät und ich zu kaputt. Ich sorgte mich sehr um meinen Stand. Ich wollte nicht das er schon wieder abhebt oder sogar weg fliegt. Es ist nicht nur der Stand es sind auch die vielen Kleinigkeiten, die meinen Kerzenzieherstand so hübsch und einzigartig machen. Kleinigkeiten, die man nicht so einfach irgendwo kaufen kann, die liebevoll selbst hergestellt sind, über Jahre als kleine Details angesammelt wurden und mir ans Herz gewachsen sind. Der Stand ist meine Lebensgrundlage. Damit identifiziere ich mich. Ich hatte Angst in mein Auto zum schlafen zu gehen, währendessen hier der mögliche Sturm tobte.


Andererseits hatte er bereits auch Herbst- und Winterwinde direkt an der brausenden Ostsee überstanden. So machte ich mir Mut. In meinem Auto auf dem abgeschlossenen Parkplatz, von der Stadt Mühlhausen, saß ich noch lange wach, hörte Musik und trank etwas Hopfenwasser zur Beruhigung. Ständig zuckte ich zusammen, als ich in den Wind in die Bäume fahren sah. Wie laut er wehte und mir Angst machen konnte. Wie der Leibhaftige, der in einen fährt und einen erstarren lässt vor Angst. Aber ich hatte ja meiner guten Nachbarin, der Schuhmacherin Katrin Schulze aus Markwerben bei Weißenfels meine Visitenkarte gegeben. Wenn mit meinem Stand etwas sein sollte, sollten sie mich sofort anrufen. Auch den netten Sicherheitsleuten, die die ganze Nacht dort Wache hielten hatten eine, und machten einen sehr verlässlichen Eindruck auf mich. Diese Gedanken ließen mich tatsächlich irgendwann einschalfen, doch ein sehr unruhiger Schlaf und schlimme Träume bedrückten mich die ganze Nacht.


Historische Schuhwerkstatt

Historische Schuhwerkstatt

Denkmal Thomas Münzer

Thomas Münzer Denkmal

Handwerkerstände

Handwerker unter sich

Sonntagmorgen

Ganz früh morgens wachte ich auf. Ungeduldig machte ich eine spärliche Morgentoilette lief schneller als sonst zum Platz und war heilfroh, dass mein Kerzenzieherstand noch heil war. Sah aber auch dass jemand die eine Seite nachgetackert hatte. (Dank an die beiden Sicherheitsleute) Aber der Wind, der Wind. Ich dachte nur immer wieder, wenn ich nur alles wieder heil nach Hause bekomme. Ich werde erst wieder ruhig, wenn ich alles zum Feierabend eingepackt habe und abfahrbereit bin. Das ganze Wochenende ging mir das Herz ein wenig schneller. Aber tatsächlich war wie angesagt zum Sonntag ab und zu einmal die Sonne zu sehen. Aber der Wind brauste und brauste. Erst als immer mal wieder Gäste zu mir kamen und eine Kerze machen oder ziehen wollten, wurde ich abgelenkt und merkte zum Glück nicht wie die Zeit verging und der Wind brauste. Hin und wieder hörte man mal etwas, vom so genannten Münzerspiel und Bauernkriegsspektakel. Da wird sich viel Mühe gegeben. Schöne Lager und schönes Theater.


Nachbarn

Thomas Hammer, von der Schmiede Hammerhof, der hier auch einen Handwerkerstand aufgebaut hatte, lobte meinen Stand sehr und wir unterhielten uns über eventuelle gelegentliche Zusammenarbeit. Auch mit dem Korbmacher von nebenan, der mir auch gleich einen meiner Körbe repariert hatte verstand ich mich gut, genau wie mit der Familie aus Saalfeld, die Elixiere anboten. Immer wieder kamen auch mal Kinder, die am Sonnabend mit ihren Großeltern da waren und heute mit ihren Eltern und auch heute unbedingt noch einmal eine Kerze bei mir gestalten wollten.

"Mama, das macht so einen Spass."

"Mama ich möchte noch eine Kerze für Oma machen."

"Mama, darf ich für dich eine Kerze machen?"


Bienenwachs-Kerzenziehen

Bienenwachs-Kerzenziehen

Besucher beim Kerzenzieher

Mamas wollen auch Spass

Abiturientin beim Kerzen ziehen

Abiturientin beim Kerzen ziehen

Einleitung zum Kerzen ziehen

Dann beginne ich wieder meinen Text aufzusagen: Das Leben ist schön, ...wenn man eine Kerze macht. Diesen Rohling habe ich in einer langen und kalten Winternacht schon einmal für dich vorgezogen, in meinem elenden, einsamen und kargen Verschlag tief im Walde. (Jetzt fangen die ersten Eltern oder Großeltern, die ihr Kind oder Enkelkind gerade noch von meinem Stand wegziehen wollten an zu schmunzeln) Viel Mühe Fleiss und Arbeit stecken allein schon in diesem kerzengeraden und handgezogenen Rohling, den du nun veredeln kannst zu so einer schönen bunten Kerze in dem schönsten und teuersten Wachs aus aller Herren Länder. In Liebes-Rot aus Paris, Sonnenblumen-Gelb, dem teuren Lapislazuli-Blau aus dem fernen Orient, Tannen-Grün aus Thüringen und Grufti-Schwarz aus Finsterwalde. Möchtest du das mal machen? Nun folgt meistens ein leichtes Kopfnicken und ein Hündchen-Blick zu Mama´s Gesicht. Dann geht es auch schon los.


Feierabend

18.00 Uhr war dann auch Feierabend. Ein bißchen aufräumen und vorsortieren. Dann überlegen wo ich mich mit dem PKW und Anhänger hinstellen könnte zum einpacken, denn andere die zu zweit oder mehreren sind, sind natürlich immer wesentlich schneller als ich. Zurückzu auf dem Weg zur Autobahn A38 eine Überraschung. Hier liegt der kleine Ort Rüdigershagen, wo Katrin vor meherenen Jahren mal zu Urban gezogen ist. Ein schöner Sonnenuntergang erwartete mich noch auf der A38 und ein verschwommener Regenbogen.


Anfang Juni 2013


Wer möchte kann sich die Fotos auch größer ansehen. Der Internetbrouser Firefox zeigt beim darüberfahren mit der Maus, die Fotos auch gleich vergrößert an.





Wenn Dir mein Bericht gefallen hat berichte auch deinen Freunden davon. Du kannst ihn verlinken oder auch teilen.

facebook googleplus twitter

Hier mein vorheriger Bericht vom Mittelalterburgfest Veste Helburg in Thüringen mit mir als Glücksschmied und Ulrike als Kerzenzieherin